Ai Weiwei

Seit 1993 befasst sich Ai Weiwei mit den künstlerischen und kulturellen Traditionen seines Landes. Er fing
an, Antiquitäten zu studieren, zu sammeln und schließlich in seine in Arbeit zu integrieren. Dabei reflektierte Ai Weiwei nicht nur die Mechanismen des internationalen Kunst- und Antiquitätenmarkts und den damit verbundenen Ausverkauf kultureller Werte und historischen Wissens, sondern auch den Zusammenprall alter und neuer chinesischer Wertvorstellungen.
Von 2010 bis 2015 wurde es Ai Weiwei nicht gestattet, China zu verlassen. Trotzdem gelang es ihm, weiterhin international zu wirken, so konnte er auf Einladung Deutschlands die Installation „Bang“ im französischen Pavillon der Kunstbiennale in Venedig 2013 realisieren. Für diese Installation verband er 886 dreibeinige Holzhocker. Der dreibeinige Hocker ist heute in China eine Antiquität. Nach einer einheitlichen Methode gefertigt, wurde er über Jahrhunderte aus allen Teilen Chinas und in allen Bereichen der Gesellschaft verwendet. Jede Familie hatte mindestens einen Hocker, der für alle möglichen häuslichen Zwecke benutzt und über Generationen vererbt wurde. Doch seit der Kulturrevolution ab 1966 und im Zuge der Modernisierung des Landes wurde er immer seltener hergestellt. Aluminium undPlastik haben Holz als Herstellungsmaterial ersetzt.
Aus 886 Exemplaren dieses stereotypen und zugleich hochindividuellen Hockers hat Ai Weiwei mithilfe der inzwischen rar gewordenen Fertigkeiten traditioneller Handwerker eine raumgreifende Struktur geschaffen.
Künstler Ai Weiwei, venedig, 2013
© Elly Waterman / Wikimedia Commons